Dejan Vuklišević: Wir sind die erste einheimische Bank, die für den internationalen Markt bereit ist.

Dejan Vuklišević: Wir sind die erste einheimische Bank, die für den internationalen Markt bereit ist.

01. 06. 2026.

Dejan Vuklišević, Vorstandsvorsitzender der Naša banka ad Banja Luka, sprach in einem ausführlichen Interview mit der Wirtschafts- und Finanzzeitschrift Banke & Biznis über das Wachstum der Naša banka, wie man durch Zugänglichkeit, Professionalität und einfache Serviceleistungen Vertrauen aufbaut, das Verständnis der lokalen Wirtschaft und der darin tätigen Menschen sowie die Betrachtung von KI als Unterstützung für qualitativ bessere und effizientere Arbeit und nicht als Ersatz für Menschen.

Unsere Bank in Banja Luka hat in den letzten Jahren einen intensiven Transformationsprozess durchlaufen. Dieser reichte von der Konsolidierung der Eigentümerstruktur und der Stärkung des Kapitals über den Ausbau des Geschäftsnetzes und der digitalen Kanäle bis hin zur Entwicklung von Produkten, die den modernen Trends im Bereich nachhaltiger Finanzierung entsprechen. Die Geschäftsergebnisse zeigen ein Wachstum bei Anlageprodukten, Einlagen und Gewinnen, aber auch eine wichtige Veränderung in der Struktur dieses Wachstums. Die Qualität des Kundenstamms, die operative Effizienz, das Risikomanagement und die Fähigkeit der Bank, schnell, erreichbar und nah genug an den lokalen Gemeinschaften zu sein, in denen sie tätig ist, rücken zunehmend in den Vordergrund.

Wir sprachen mit Herrn Dejan Vuklišević, dem Vorstandsvorsitzenden der Naša Banka ad Banja Luka, über Geschäftsergebnisse, Zinsumfeld, Kreditvergabe, Einlagen, nachhaltige Finanzierung, das Verhältnis zwischen Filialnetz und digitalen Kanälen sowie die Positionierung der Naša Banka im Vergleich zu größeren Banken auf dem Markt.

• Wie würden Sie, Herr Vuklišević, die Geschäftsergebnisse der Bank im vergangenen Jahr bewerten – was war der wichtigste Wachstumstreiber und wo lagen die größten Herausforderungen?

Ich bewerte die Geschäftsergebnisse als stabil, zukunftsorientiert und sehr wichtig für die nächste Wachstumsphase der Bank. Besonders wichtig ist uns, dass das Wachstum nicht nur auf einem einzelnen Indikator beruht, sondern auf dem Ausbau der gesamten Geschäftsbeziehung zu unseren Kunden. Sowohl Einlagen als auch Kredite stiegen, und gleichzeitig verbesserte sich die Qualität der Aktiva weiter, was für eine Bank unseres Profils von besonderer Bedeutung ist. Die Kundeneinlagen erhöhten sich im vergangenen Jahr von 269,7 Mio. KM auf 336,8 Mio. KM, während Kredite und Forderungen gegenüber Kunden von 207 Mio. KM auf 252 Mio. KM zunahmen. Der Nettogewinn stieg von 2,2 Mio. KM auf 2,4 Mio. KM, und der Anteil notleidender Kredite am gesamten Kreditvolumen sank bis Ende letzten Jahres auf 2,86 Prozent. Wir haben den Anteil notleidender Kredite in diesem Jahr weiter reduziert und liegen aktuell bei rund 2,6 Prozent in diesem Segment, was unter dem Marktdurchschnitt von rund 3 Prozent liegt. Die von mir präsentierten Daten haben für uns eine doppelte Bedeutung: Sie zeigen, dass die Bank hinsichtlich des Geschäftsvolumens wächst, aber auch, dass wir versuchen, dieses Wachstum durch verantwortungsvolles Kreditrisikomanagement unter Kontrolle zu halten.

Der wichtigste Wachstumstreiber war vor allem das gestiegene Geschäftsvolumen und die Stärkung des Kundenstamms. Die Bank erwirtschaftete ihre Erträge zunehmend aus einer umfassenderen und qualitativ besseren Kundenbeziehung und weniger allein aus Zinsmargen – ein langfristig gesünderer und nachhaltigerer Weg.

Die größten Herausforderungen ergaben sich aus den steigenden Finanzierungskosten und der Notwendigkeit, gleichzeitig das Geschäft auszubauen, in Netzwerk, Technologie und Mitarbeiter zu investieren und dabei Kostendisziplin und Portfolioqualität zu wahren. Hinzu kamen Veränderungen im Zinsumfeld. Das vergangene Jahr war kein Jahr einfachen Wachstums. Es war ein herausforderndes Jahr, das ständige Wachsamkeit und ein sehr sorgfältiges und verantwortungsvolles Management jedes einzelnen Geschäftsbereichs erforderte.

Fokus auf die Gesamtbeziehung zum Kunden

• Der Nettozinsertrag ist trotz der Veränderungen im Zinsumfeld relativ stabil geblieben. Wie nachhaltig ist dieses Gleichgewicht in der kommenden Zeit?

Dieses Gleichgewicht ist nur dann nachhaltig, wenn alle seine Elemente aktiv gesteuert werden. Es ist unrealistisch zu erwarten, dass das Zinsumfeld allein ein ausreichendes Fundament für das Gewinnwachstum bietet. In der Vergangenheit haben höhere Zinsen dem Bankensektor zwar teilweise geholfen, doch wir befinden uns nun in einer Phase, in der das Wachstum der Zinserträge mit einem stärkeren Anstieg der Zinsaufwendungen einhergeht. In unserem Fall stiegen die Zinserträge, die Zinsaufwendungen jedoch noch schneller. Infolgedessen blieb der Nettozinsertrag relativ stabil oder wuchs nur moderat. Dies zeigt deutlich, dass der Spielraum für eine passive Abhängigkeit von der Zinsmarge abnimmt.

In der kommenden Zeit wird die Nachhaltigkeit von mehreren Faktoren abhängen: der Fähigkeit der Bank, qualitativ hochwertige Anlagen zu generieren, der Einlagenstruktur, den Kosten der Refinanzierungsquellen, der Entwicklung zusätzlicher Erträge und Provisionen sowie natürlich der betrieblichen Effizienz. Deshalb konzentrieren wir uns nicht nur auf die Zinsen, sondern auf die gesamte Kundenbeziehung. Wir möchten, dass unsere Kunden ein Konto haben, das sie nutzen, digitale Services, die ihre täglichen Aufgaben erleichtern, Kreditprodukte, die ihren tatsächlichen Bedürfnissen entsprechen, und Beratung in den Filialen, wenn sie diese benötigen. Die Stabilität des Nettozinsertrags ist wichtig, aber die zukünftige Rentabilität muss zunehmend aus einem breiteren Geschäftsmodell resultieren. Sie muss auf einem größeren Volumen qualitativ hochwertiger Kundenbeziehungen, einem besseren Kundenerlebnis, kontrollierten Risiken und einem verantwortungsvollen Kostenmanagement beruhen.

• In welchem ​​Umfang ist das Gewinnwachstum auf operative Verbesserungen zurückzuführen und in welchem ​​Umfang ist es eine Folge von Marktgegebenheiten wie beispielsweise höheren Zinssätzen?

Ehrlich gesagt, ist alles ein operatives Ergebnis. Es wäre jedoch unverantwortlich zu behaupten, die Marktbedingungen hätten keinen Einfluss gehabt. Der Bankensektor operierte in den vergangenen Jahren in einem anderen Zinsumfeld, was sicherlich zum Wachstum der Zinserträge beigetragen hat. Die Daten des letzten Jahres zeigen jedoch, dass sich dieser Effekt allmählich normalisiert. Die Zinserträge sind zwar gestiegen, aber die Zinsaufwendungen haben sich auch deutlich schneller erhöht, sodass der Nettoeffekt nicht mehr so ​​entscheidend war wie zuvor. Deshalb bin ich der Ansicht, dass sich der Fokus des Gewinnwachstums zunehmend auf operative Verbesserungen verlagert. Dazu gehören eine bessere Organisation, ein besseres Portfoliomanagement, das Wachstum der Einlagenbasis, eine größere Anzahl aktiver Kundenbeziehungen, steigende Gebühren- und Provisionserträge, aber auch kontinuierliche Investitionen in Technologie und Prozesse.

In der vergangenen Zeit hat unsere Bank bedeutende Transformationsprozesse durchlaufen. Wir haben in die Modernisierung des Systems, in digitale Kanäle, in den Ausbau des Netzwerks und in die Verstärkung unseres Teams investiert. Solche Prozesse wirken sich nicht immer unmittelbar auf die Gewinn- und Verlustrechnung aus, schaffen aber die Grundlage für ein stabileres und qualitativ hochwertigeres Wachstum. Gerade dank dieses Engagements streben wir beispielsweise danach, unseren Privatkunden auch in Zukunft einen erstklassigen Service zu bieten – ein strategisch wichtiges Ziel für uns, das auch weiterhin von zentraler Bedeutung ist.

WACHSTUMSRICHTUNGEN

• Die Kreditvergabe im Bankensektor ist moderat. Sehen Sie Potenzial für ein stärkeres Wachstum im Kreditgeschäft und wenn ja, in welchen Segmenten?

Es besteht zwar Wachstumspotenzial bei den Platzierungen, jedoch nicht im Sinne einer unkontrollierten Ausweitung des Kreditportfolios. Im Bankwesen ist Wachstum nur dann sinnvoll, wenn es nachhaltig, fundiert analysiert und mit dem Risikoprofil der Bank abgestimmt ist. Unser Ziel ist nicht Wachstum um jeden Preis, sondern Wachstum in Segmenten, in denen wir die Kundenbedürfnisse genau verstehen, Risiken gut einschätzen und Produkte mit einem echten wirtschaftlichen Nutzen anbieten können.

Wir sehen Wachstumspotenzial in mehreren Bereichen. Erstens im Bereich der Privatkunden, insbesondere bei Kunden, mit denen die Bank eine engere Geschäftsbeziehung pflegt. Wenn ein Kunde sein Gehalt bezieht, Rechnungen begleicht und Karten sowie digitale Kanäle nutzt, kennt man ihn besser und kann ihm ein Kreditprodukt verantwortungsvoller anbieten. Zweitens im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Dieses Segment ist von außerordentlicher Bedeutung für die lokalen Gemeinschaften und die heimische Wirtschaft. Genau hier kann eine kleinere und flexiblere Bank ihre Stärken ausspielen, da sie näher am Kunden ist, dessen Geschäftsmodell schneller versteht und eine spezifischere und maßgeschneiderte Lösung anbieten kann. Drittens im Agrarsektor, insbesondere angesichts des Potenzials der heimischen Lebensmittelproduktion, des Modernisierungsbedarfs und der zunehmenden Bedeutung von Energieeffizienz in Produktionsprozessen. Viertens im Bereich der sogenannten grünen und nachhaltigen Finanzierung, also der Finanzierung von Produkten und Investitionen wie Solaranlagen, Wärmepumpen, energieeffizienten Geräten und anderen Lösungen, die Kosten senken und zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen. Dieses Segment befindet sich noch im Aufbau, birgt aber langfristig großes Potenzial.

• Einlagen sind der Schlüssel zum Kundenvertrauen. Welche Trends beobachten Sie und was sagen diese über das Verhalten der Bürger und die Wirtschaft aus?

Einlagen sind einer der wichtigsten Indikatoren für Vertrauen. Kunden nutzen einzelne Produkte aus verschiedenen Gründen, doch wenn sie einer Bank ihr Geld und ihre täglichen Zahlungstransaktionen anvertrauen, entsteht eine deutlich engere Beziehung. Daher freuen wir uns über das in der vergangenen Zeit erzielte Einlagenwachstum. Besonders bemerkenswert ist das Wachstum der Guthaben auf Girokonten. Sie sind von rund 170 Millionen KM auf über 220 Millionen KM gestiegen. Dies zeigt, dass Kunden die Bank nicht mehr nur für gelegentliche Festgeldanlagen oder Einzeltransaktionen nutzen, sondern zunehmend als ihre Hausbank für den täglichen Gebrauch.

Wir beobachten Vorsicht bei Bürgern und Unternehmen, aber auch ein Bedürfnis nach Liquidität, Sicherheit und einfachem Zugang zu Geld. Die Menschen wollen die Kontrolle über ihre Finanzen haben. Sie wünschen sich funktionale Konten, schnelle Dienstleistungen, zuverlässigen Support und digitale Tools, die ihnen Zeit sparen. Unternehmen hingegen suchen eine Bank, die den täglichen Zahlungsverkehr, saisonale Schwankungen im Geschäft, den Betriebsmittelbedarf und Investitionszyklen versteht.

Für uns ist es besonders wichtig, dass das Wachstum der Einlagen mit dem Wachstum der gesamten Kundenbeziehungen einhergeht. Dies signalisiert, dass Vertrauen nicht allein durch den Zinssatz entsteht, sondern auch durch Erreichbarkeit, Professionalität, unkomplizierte Serviceleistungen und das Gefühl, dass die Bank die lokale Wirtschaft und die dort tätigen Menschen versteht.

GRÜNE UND ESG-PRODUKTE

• Unsere Bank engagiert sich in Projekten zur nachhaltigen Finanzierung. Inwieweit sind „grüne“ und ESG-Produkte Ihrer Meinung nach heute ein reales Geschäftsfeld und inwieweit befinden sie sich noch in der Entwicklungsphase?

Grüne und ESG-Produkte können und müssen ein tragfähiges Geschäftsmodell sein, befinden sich aber noch in der Entwicklungsphase. Sie sind ein tragfähiges Geschäftsmodell, weil Energieeffizienz nicht mehr nur eine Frage des Images oder der sozialen Verantwortung ist. Sie beeinflusst direkt die Kosten von Haushalten und Unternehmen, die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und die Fähigkeit von Unternehmen, sich an neue Marktstandards anzupassen. Gleichzeitig befindet sich der Markt noch in der Entwicklungsphase, da er mehr Aufklärung, stabilere Lieferketten, klarere Informationen und eine größere Anzahl gut vorbereiteter Projekte benötigt. Viele Kunden erkennen zwar den Nutzen von Solaranlagen, Wärmepumpen oder anderen energieeffizienten Lösungen, benötigen aber Unterstützung bei der Beurteilung der Rentabilität, der Amortisationszeit und der günstigsten Finanzierungsmethode.

Unsere Bank hat diesen Prozess ganz gezielt angegangen, indem sie ESG- oder grüne Anleihen emittiert und die gesammelten Gelder in Kreditlinien für Privatpersonen und Unternehmen investiert hat. Wir haben den gesamten Prozess erfolgreich umgesetzt und damit die Botschaft vermittelt, dass nachhaltige Finanzierung nicht auf bloßen Erklärungen beruhen darf, sondern ein konkretes Produkt, eine konkrete Finanzierungsquelle und einen konkreten Nutzen für die Kunden bieten muss. Wir sind überzeugt, dass sich dieses Segment immer schneller entwickeln wird. ESG-Standards werden Teil des europäischen Geschäftsumfelds, und wettbewerbsfähige Unternehmen müssen künftig verstärkt auf Energieeffizienz, Kostensenkung und nachhaltiges Management achten. Ich sehe die Rolle der Banken als sehr wichtig an, indem sie die Entwicklungsbedürfnisse ihrer Kunden finanzieren, erläutern und mit langfristig verantwortungsvollen Lösungen verknüpfen.

• Der Ausbau des Geschäftsnetzwerks und die Stärkung des Teams deuten auf Wachstumsambitionen hin. Wo sehen Sie das optimale Gleichgewicht zwischen physischer Präsenz und digitalen Kanälen?

Das optimale Gleichgewicht besteht nicht darin, physisches Filialnetz und digitale Kanäle als Gegensätze zu betrachten. Im Gegenteil, sie sollten zusammenarbeiten. Digitale Kanäle sollten Routine-, Alltags- und einfache Transaktionen übernehmen, während Filialen eine zunehmend beratende Rolle einnehmen und durch direkte Beziehungen Vertrauen aufbauen. Für eine Bank unseres Profils ist die physische Präsenz nach wie vor sehr wichtig. Wir sind in lokalen Gemeinschaften tätig, in denen Kunden Wert auf Erreichbarkeit, persönlichen Kontakt und das Gefühl legen, jemanden an ihrer Seite zu haben. Dies ist besonders wichtig bei komplexeren Entscheidungen wie Krediten, Investitionen, Unternehmensgründungen, der Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen oder der Finanzierung von Familien- und Geschäftsplänen. Gleichzeitig verändern sich die Kundengewohnheiten. Sie möchten ihre täglichen Bankgeschäfte schnell, einfach und ohne Filialbesuch erledigen. Deshalb entwickeln wir digitale Kanäle und Services, die eine komfortablere Verwaltung von Konten, Zahlungen, Karten und anderen Banktransaktionen ermöglichen.

Unser Ziel ist es, dem Kunden Wahlmöglichkeiten zu bieten. Wer es schnell und unabhängig mag, kann den unkomplizierten digitalen Kanal nutzen. Wer hingegen ein persönliches Gespräch, Beratung oder Unterstützung wünscht, findet in der Filiale ebenfalls einen qualitativ hochwertigen Service. Die Zukunft des Bankwesens liegt in der intelligenten Kombination aus lokaler Präsenz, direktem persönlichen Kontakt und modernen digitalen Tools.

Digitalisierung und KI

Die Entwicklung von künstlicher Intelligenz und Digitalisierung verändert das Bankwesen grundlegend. Welche konkreten Prozesse in Ihrer Bank werden bereits transformiert und wie wirkt sich dies auf die Arbeitsweise der Mitarbeiter und die Kundenbeziehung aus?

Wir betrachten die Entwicklung von künstlicher Intelligenz und Digitalisierung als eine der wichtigsten Veränderungen im modernen Bankwesen, gehen dabei aber verantwortungsvoll und überlegt vor. Im Bankwesen ist es entscheidend zu verstehen, wo neue Technologien tatsächlich Mehrwert bieten, wie sie sich auf Sicherheit, Vertrauen und Servicequalität auswirken und wie sie die Arbeit der Mitarbeitenden und das Kundenerlebnis verbessern können, bevor Entscheidungen getroffen werden. Unsere Bank ist sich der Veränderungen durch KI-Tools und die umfassendere digitale Transformation bewusst und ist daher offen für bewährte und für unser Geschäft geeignete Anwendungsformen. Wir haben bereits begonnen, bestimmte KI-Tools zu testen und einzusetzen, ohne jedoch eines davon bankweit als Standardlösung zu implementieren. Wir halten es für selbstverständlich und verantwortungsvoll, zunächst die Möglichkeiten zu verstehen, dann die Risiken und Vorteile abzuwägen und erst dann über eine breitere Anwendung zu entscheiden. Aktuell nutzen wir KI-Tools hauptsächlich im Personalbereich, insbesondere bei der Einstellung, Auswahl und Förderung von Mitarbeitenden. Die ersten Erfahrungen sind sehr ermutigend, ja sogar beeindruckend, denn solche Tools ermöglichen komplexe und tiefgreifende Einblicke, die zuvor leicht verborgen geblieben wären oder deutlich mehr Zeit und menschliche Analyse erfordert hätten. KI hilft uns, das Potenzial von Kandidaten, den Entwicklungsbedarf von Mitarbeitern, Muster in der Teamdynamik, Möglichkeiten für eine bessere Karriereplanung usw. besser zu verstehen. Ich möchte betonen, dass wir KI nicht als Ersatz für den Menschen sehen, sondern als Unterstützung für bessere und effizientere Arbeit. Im Bankwesen sind Wissen, Verantwortung, professionelles Urteilsvermögen und Vertrauen nach wie vor unersetzlich. KI kann uns helfen, schneller zu besseren Analysen zu gelangen, doch die endgültigen Entscheidungen müssen weiterhin in den Händen professioneller und verantwortungsbewusster Mitarbeiter liegen.

Die Digitalisierung ist zweifellos eines unserer strategischen Ziele. Dies zeigt sich bereits in der Entwicklung des Mobile Banking „Our mBank“, mit dem Kunden einen Großteil ihrer täglichen Bankgeschäfte einfach, schnell und flexibel erledigen können. 24-Stunden-Zahlungen, bargeldlose Abhebungen, Limitänderungen, Kartenverwaltung und weitere Funktionen erleichtern die Abwicklung von Routinevorgängen, für die früher ein Filialbesuch nötig war. Dadurch verändert sich auch die Rolle der Mitarbeiter. Schalter und Filiale werden zwar nicht verschwinden, aber ihre Funktion wandelt sich. Sie sollen immer weniger Orte für einfache, wiederkehrende Transaktionen sein und immer mehr Beratung, Unterstützung, Erstkontakt zur Bank und die Lösung komplexerer Kundenbedürfnisse. Das bedeutet, dass Mitarbeiter ihre Beratungs-, Kommunikations- und Analysefähigkeiten künftig noch stärker ausbauen werden.

Unser Ziel ist es, lokale Erreichbarkeit mit praktischen digitalen Tools zu verbinden. Der Kunde benötigt einen digitalen Service, wenn er Schnelligkeit und Unabhängigkeit wünscht, aber auch einen Ansprechpartner in der Filiale, wenn er ein Gespräch, zusätzliche Erklärungen, Beratung oder die Bestätigung seiner Entscheidung wünscht. Wir sind überzeugt, dass diese Kombination die Zukunft des Bankwesens ist – Technologie, die den Alltag vereinfacht, und Menschen, die Vertrauen schaffen.

Deshalb sehen wir KI und Digitalisierung nicht als Abkehr vom Kunden, sondern als Möglichkeit, für ihn zugänglicher, effizienter und nützlicher zu sein. Wenn Technologie die Mitarbeiter von Routineaufgaben entlastet, können sie sich verstärkt den tatsächlichen Bedürfnissen ihrer Kunden widmen. Dies ist besonders wichtig für eine Bank unseres Profils, denn wir sehen unsere Chance genau in der Kundennähe, der Erreichbarkeit, der Professionalität und der Fähigkeit, moderne Lösungen an die Bedürfnisse der Menschen und der lokalen Gemeinschaften, in denen wir tätig sind, anzupassen.

• Wie positionieren Sie sich im Vergleich zu größeren Banken am Markt? Welche Chancen sehen Sie für unsere Bank?

Größere Banken haben unbestreitbare Vorteile – größere Skaleneffekte, höhere Budgets, einen breiteren Kundenstamm und stärkere technologische Kompetenzen. Das respektieren wir und sind uns dessen bewusst. Der Bankenmarkt besteht jedoch nicht nur aus den größten Instituten. Es braucht auch Raum für Banken, die näher am Kunden sind, seine Bedürfnisse schneller verstehen und eher bereit sind, eine Beziehung aufzubauen, die nicht allein auf standardisierten Produkten basiert. Die Chance unserer Bank liegt genau in dieser Kombination aus heimischem Kapital, lokalem Verständnis, Banktradition, Flexibilität und dem klaren Ziel, verantwortungsvoll zu wachsen. Unsere Chance besteht darin, eine Bank zu sein, die stark und stabil genug ist, um dem Kunden Sicherheit zu bieten, und gleichzeitig nah und operativ genug, um ihn wirklich zu verstehen.

Im vergangenen Zeitraum haben wir unser regulatorisches Kapital weiter gestärkt, was für die Bank von entscheidender Bedeutung ist. Stärkeres Kapital bedeutet größere Widerstandsfähigkeit gegenüber möglichen Markt- und Kreditschocks, eine solidere Basis für das Kreditwachstum, verbesserte Risikomanagementfähigkeiten und mehr Spielraum für die Unterstützung der Bevölkerung und der Wirtschaft. Für unsere Kunden bedeutet dies einen sichereren Partner, und für die Bank die Möglichkeit, ihre Entwicklungspläne stabiler und langfristiger umzusetzen. Ein besonders wichtiger Schritt nach vorn ist das erreichte internationale Kreditrating. Im Jahr 2024 erhielt unsere Bank das internationale Kreditrating „B-/B mit stabilem Ausblick“ von der renommierten Ratingagentur S&P Global Ratings. Dieses Rating ist nicht nur eine formale Bewertung, sondern eine Bestätigung der Stabilität, der verantwortungsvollen Geschäftstätigkeit und der Transparenz der Bank in einem anspruchsvollen Umfeld. Damit war unsere Bank die erste, genauer gesagt die einzige Bank mit inländischem Kapital in Bosnien und Herzegowina, die dies erreichte. Besonders bedeutsam ist für uns, dass dieses Kreditrating im vergangenen Jahr bestätigt wurde. Dies zeigt, dass es sich nicht um eine einmalige Anerkennung handelt, sondern um die Kontinuität unserer Geschäftstätigkeit, die auch internationaler Prüfung standhält. Praktisch gesehen erfüllt die Bank heute nahezu alle wichtigen Voraussetzungen für den Eintritt in den internationalen Markt. Sie verfügt über eine gestärkte Kapitalbasis, stabile Zukunftsaussichten, eine klare Eigentümerstruktur, ein verbessertes Risikomanagement und ein international anerkanntes Kreditprofil.

Das bedeutet nicht, dass wir Entwicklungsstufen überspringen oder uns größer darstellen wollen, als wir sind. Im Gegenteil, unser Ansatz ist es, auf realistischen Grundlagen zu wachsen. Das internationale Rating und das gestärkte regulatorische Kapital verleihen uns jedoch zusätzliche Reputation und stärken unsere Geschäftsposition. Sie signalisieren Kunden, Partnern und potenziellen Investoren, dass eine inländische Bank mit verantwortungsvollem Management und hoher Transparenz Standards erreichen kann, die auch international anerkannt sind.

Unser Ziel ist es, eine Bank aufzubauen, die für ihre Stabilität, Professionalität, verantwortungsvolles Risikomanagement, hohe Kundenzufriedenheit und ihr Engagement für die Entwicklung lokaler Gemeinschaften bekannt ist. Darin sehen wir unser langfristiges Potenzial.

Bedeutung der TIPS-Klon- und SEPA-Projekte

• Sie waren vor Kurzem Präsident des Verwaltungsrats des Bankenverbandes von Bosnien und Herzegowina. Welche wichtigen Veränderungen im regulatorischen oder Marktumfeld halten Sie für prioritär für den Sektor?

Der Bankensektor ist meiner Meinung nach der am stärksten regulierte Wirtschaftszweig in Bosnien und Herzegowina. Dies ist keine bloße Bankenfloskel, sondern das konkrete Ergebnis jahrelanger regulatorischer Entwicklung, ständiger Aufsicht und hoher Anforderungen an Risikomanagement, Kapital, Liquidität, Informationssicherheit und Kundenschutz. Der Bankenmarkt ist wahrscheinlich der am stärksten regulierte Markt in Bosnien und Herzegowina, da Banken in einem Umfeld mit klaren Regeln, kontinuierlichen Kontrollen und hoher Verantwortung agieren. Daher halte ich eine intelligente Angleichung an europäische Zahlungs- und Digitalstandards für unsere Priorität. Die Projekte TIPS Clone und SEPA sind von enormer Bedeutung – nicht nur für den Bankensektor, sondern auch für die Bürger und die Wirtschaft. TIPS Clone ist ein Schritt hin zu einer umfassenderen Integration in den europäischen Zahlungsraum. Es geht um die Schaffung einer Plattform für Sofortzahlungen auf Basis des europäischen TIPS-Modells, die die Ausführung von Zahlungen in Echtzeit rund um die Uhr ermöglicht. Im Oktober 2025 unterzeichnete die Zentralbank von Bosnien und Herzegowina eine Absichtserklärung für dieses Projekt, das bis zum Sommer betriebsbereit sein soll. Ziel ist es, Bosnien und Herzegowina eine mit dem europäischen TIPS-System interoperable Plattform zu verschaffen und damit den Weg für die Integration in den SEPA-Zahlungsverkehrsmarkt zu ebnen. Für die Bürger bedeutet dies schnellere, einfachere und zugänglichere Zahlungen. Für die Wirtschaft ergeben sich niedrigere Liquiditätskosten, eine schnellere Erfüllung von Zahlungsverpflichtungen, effizientere Abläufe und eine einfachere Vernetzung mit Partnern im In- und Ausland. Für Banken bedeutet dies die Modernisierung der Zahlungsinfrastruktur und die Schaffung von Raum für neue digitale Dienste, mobile Zahlungen, fortschrittlichere Anwendungen und eine verbesserte Benutzererfahrung.

Danach folgt SEPA als übergeordnetes und strategisch wichtiges Ziel. SEPA, der einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum, ermöglicht schnellere, standardisierte und günstigere Zahlungen in die Länder der Europäischen Union und andere Mitgliedstaaten. Serbien trat dem SEPA-Raum im Mai 2025 formell bei, und serbische Banken wickeln SEPA-Zahlungen seit dem 5. Mai dieses Jahres operativ ab. Dies unterstreicht die Bedeutung dieses Prozesses für die finanzielle Integration der Länder der Region in die europäischen Zahlungsströme. SEPA hat für Bosnien und Herzegowina Priorität, denn es geht nicht nur um Banktechnologie, sondern um die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Wirtschaft. Jeder Exporteur, Freiberufler, Kleinunternehmer, Familienbetrieb, Student und Bürger, der Geld aus dem Ausland erhält, sowie jedes Unternehmen, das Lieferanten in Europa bezahlt, wird den Unterschied spüren, wenn Zahlungen schneller, günstiger und einfacher ablaufen. Dies ist eine der Reformen, die sich im Alltag ganz konkret bemerkbar machen wird.



Unsere
Zweige

Unsere Bank verfügt über ein Netz von 30 Filialen. Mit ihren Geschäftsaktivitäten deckt sie nahezu das gesamte Gebiet der Republika Srpska ab, von Banja Luka bis Ost-Sarajevo. Unser Ziel ist der kontinuierliche Ausbau unseres Geschäftsnetzes, basierend auf höchster Servicequalität und maximaler Kundennähe.
Finden Sie die Filiale in Ihrer Nähe.